Archiv

Rosetta Raumfahrtabend „Reise zum Anfang des Sonnensystems“

Mehr als 300 Besucher folgen den Vortägen der Rosetta-Spezialisten
Mehr als 300 Besucher folgen den Vortägen der Rosetta-Spezialisten

Mehr als 300 Besucher waren am 8. Oktober im Museum versammelt, um die Vorträge zu Kometen im Allgemeinen und speziell zum Thema Rosetta zu hören. Der Freundeskreis hatte diese Veranstaltung organisiert und konnte drei kompetente Vortragende dafür gewinnen. Dr. Gunther Lautenschläger, Projektleiter Rosetta bei Airbus D&S berichtete über „Rosetta – Taxi in die Tiefen des Weltraums“. Dr. Norbert Pailer, Astrophysiker und Buchautor referierte über „Kometen – Spielbälle der Sonne“ und Prof. Dr. Berndt Feuerbacher, ehemaliger Projektleiter der Landeeinheit „Phliae“ beim DLR schloss die Vortragsreihe mit „Rosetta und Philae: Nach 10 Jahren Flug am Ziel“. 

In perfekter Weise wurden von den Vortragenden die komplexen Themen verständlich gemacht. Ein dankbares Publikum nahm mit höchster Aufmerksamkeit die Informationen auf und bedachte die Vortragenden mit großem Beifall. 

Beim anschließenden geselligen Beisammensein wurde dann intensiv diskutiert und es gab sehr viel Lob und Anerkennung für den erfolgreichen Abend.

Einleitende Worte von Herr Porath, Direktor des Dornier Museums
Einleitende Worte von Herr Porath, Direktor des Dornier Museums
Interessante Vorträge ...
Interessante Vorträge ...
zu Rosetta, Philae ...
zu Rosetta, Philae ...
... und dem wissenschaftlichen Hintergrund
... und dem wissenschaftlichen Hintergrund
Dr. Schmidberger, Vorstandsvorsitzender des Freundes- und Förderkreis Dornier Museum, dankt den Vortragenden
Dr. Schmidberger, Vorstandsvorsitzender des Freundes- und Förderkreis Dornier Museum, dankt den Vortragenden
Die Protagonisten des Rosetta Raumfahrtabends (v.l.n.r.) Dr. Schmidberger, Dipl.-Ing. Lautenschläger, Dr. Pailer, Prof. Dr. rer. nat. Feuerbacher und Dr. Stapelmann (Organisator des Vortragsabend)
Die Protagonisten des Rosetta Raumfahrtabends (v.l.n.r.) Dr. Schmidberger, Dipl.-Ing. Lautenschläger, Dr. Pailer, Prof. Dr. rer. nat. Feuerbacher und Dr. Stapelmann (Organisator des Vortragsabend)

Nachdem erste Planungen bereits in den 80er Jahre des letzten Jahrhunderts anliefen, begann am 2. März 2004 die lange Reise der Kometensonde Rosetta in Kourou, dem europäischen Weltraumhafen. Eine Ariane 5 Rakete transportierte die Sonde auf Ihre Bahn, die sie nach über 10jähriger Reise zu ihrem Ziel, dem Kometen Tschurjumow/Gerassimenko (Kurzform „Tschuri“) führte. Im August 2014 ist sie in eine Umlaufbahn um den Kometen eingeschwenkt, und im November wird sie ein Minilabor namens Philae auf dem Kometen absetzen. 

Von Rosetta und Philae mit ihren insgesamt 21 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord versprechen sich die Forscher umfangreiche Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems, da Kometen wie „Tschuri“ vor rund 4,5 Milliarden Jahren in der Frühphase unseres Sonnensystems entstanden sind und ihre damalige Materialzusammensetzung wie in einem Kühlschrank bis heute konserviert haben. 

Diese ESA-Mission ist in fast jeder Beziehung außergewöhnlich und innovativ: Nie zuvor wurde ein Raumflugkörper in eine Umlaufbahn um einen Kometen gebracht und noch nie zuvor wurde ein Minilabor auf einem Kometen abgesetzt. Rosetta hat eine äußerst komplexe Reiseroute hinter sich, die bereits vor dem eigentlichen Ziel eine Vielzahl technischer Herausforderungen hatte und wissenschaftlicher Erkenntnisse lieferte. Während des Fluges zum Zielkometen holte Rosetta dreimal an der Erde und einmal am Mars Schwung. Danach flog die Sonde durch den Asteroiden-Gürtel an den Asteroiden „Steins“ und „Lutetia“ dicht vorbei bis auf die Höhe der Jupiterbahn, insgesamt über 6 Milliarden Kilometer Flugstrecke.

In der letzten Phase des Flugs befand sich Rosetta fast drei Jahre lang in einer Art Winterschlaf, hier mussten fast alle Komponenten ausgeschaltet werden, um Energie zu sparen – ebenfalls eine außergewöhnliche Missionstechnik. Am 20. Januar 2014, nachdem sich Rosetta wieder der Sonne näherte, ist die Sonde aus dem „Winterschlaf“ erwacht, und alle Instrumente von Rosetta und Philae sind inzwischen überprüft und einsatzbereit. 

Während der Sonnen-Annäherung wird Philae nur ein paar Monate auf dem immer aktiver werdenden „Tschuri“ überleben, denn die Hitze der Sonne wird nicht nur für den Kometenschweif sorgen, sondern auch für den Wärmetod des Minilabors. 

Im August 2015 wird der Komet den sonnennächsten Punkt erreichen, an dem er hoch aktiv ist, und sein Schweif am schönsten leuchtet. Rosetta kann sich dieses Schauspiel aus der Nähe anschauen und wird dank ihrer robusten Konstruktion bis zum voraussichtlichen Ende der Mission im Dezember 2015 noch viele wissenschaftliche Daten sammeln. Nach Missionsende wird Rosetta gemeinsam mit dem Kometen weiter um die Sonne kreisen und für lange Zeit ein Zeuge einer außergewöhnlichen technischen Leistung des 21. Jahrhunderts bleiben. 

Wie immer, so waren auch an diesem erfolgreichen ESA-Projekt viele Firmen und Forschungsinstitute beteiligt. Die Dornier GmbH hatte 1997 den Entwicklungsauftrag „Rosetta“ von der ESA bekommen. In Immenstaad wurde das Design für diese Weltraumsonde der Superlative entworfen und es wurden spezielle Komponenten und Verfahren für das Gesamtsystem entwickelt. Beispielsweise Solarpanel für ganz geringe Sonneneinstrahlung oder 4 fach-redundante On-Board-Computer. Auch die Überlebensstrategie mit „Winterschlaf“ entstand bei Dornier/Astrium/Airbus DS. 

Das Konsortium für die Landesonde Philae wurde vom DLR Köln geführt, während die wissenschaftlichen Instrumente aus ganz Europa und den USA zugeliefert wurden.

Dipl. Ing. Gunther Lautenschläger

Herr Dipl. Ing. Gunther Lautenschläger studierte Elektrotechnik mit Schwerpunkt Systemtechnik an der Technischen Universität Kaiserslautern. Nach seinem Abschluss 1986 arbeitete er bei Dornier System als Raumfahrt-Ingenieur. 1990 entwickelte er im Projekt-Team CLUSTER, eine Flotte von 4 wissenschaftlichen Satelliten, die heute noch wichtige wissenschaftliche Daten über die Interaktion zwischen Sonne und Erdmagnetfeld liefern. Im Jahr 1996 arbeitete er im Bereich Software, Operations und FDIR (Überlebens-Strategien) im Projekt-Team für die Weltraumsonde ROSETTA mit. Seit dem Start von ROSETTA in Jahr 2004 arbeitete er am weiteren Satelliten wir GOCE und Sentinel-2. Er übernahm 2008 die Leitung des Projekts ROSETTA. Für das Europäische Raumfahrt Kontrollzentrum ESOC ist er der industrielle Ansprechpartner bei Airbus DS für alle ROSETTA betreffenden Anfragen.

Dr. Norbert Pailer

Herr Dr. Norbert Pailer studierte Physik an der Universität Heidelberg und erhielt dort 1976 das Diplom mit einer Arbeit aus der Kernphysik. 1978 folgte die Promotion in Astrophysik am Max-Planck-Institut in Heidelberg. Dort war er bis 1982 als Wissenschaftlicher Assistent tätig, u.a. mit dem Aufbau einer Simulationsanlage zur Analyse von kometarem Staub - eine Vorarbeit für ein Rosetta-Experiment und als technischer Manager und Co-Investigator mehrerer Weltraumexperimente. 

1982 ging er für ein Jahr als Gastwissenschaftler an die Washington University St. Louis, Missouri. Er entwickelte dort ein Instrument zur Analyse von interplanetaren Staubteilchen, das bei mehreren Space Shuttle-Flügen im Weltraumeinsatz war. 1983 kam er zur damaligen Dornier System GmbH und war zuletzt Programmleiter für Wissenschaftliche Raumfahrt bei Airbus Defence and Space. Zu seinen vielfältigen Tätigkeiten gehörte 1994 eine erste Studie über eine Kometen-Landesonde. Öffentlich bekannt wurde er als Autor mehrerer Weltraumbücher und durch seine Vorträge über Weltraumforschung.

Prof. Dr. rer. nat. Berndt Feuerbacher

Prof. Feuerbacher studierte Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach seiner Promotion 1968 arbeitete er als Wissenschaftler bei der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) am Space Science Department bei ESTEC (European Space Technology Center) in Noordwijk (Holland). Dort war er Projektwissenschaftler für die erste Spacelab-Nutzlast und forschte an Mondmaterial der Apollo-Missionen. Im Jahr 1981 wurde er zum Professor für Experimentalphysik (Welt-raumphysik) an der Universität Bochum und Leiter des Instituts für Raumsimulation des DLR in Köln-Porz berufen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen bei Materialwissenschaft in Weltraumlaboratorien wie Spacelab und der Internationalen Raumstation ISS unter Nutzung der Schwerelosigkeit, Untersuchungen zu Staub und Gas im Weltraum, Kometen und kleine Kör-per im Planetensystem. Unter seiner Leitung entstand der Kometenlander „Philae“, der zurzeit mit der Rosetta-Mission zum Kometen Churyumov-Gerasimenko unterwegs ist. 

Prof. Feuerbacher ist Mitglied der International Academy of Astronautics und Fellow der Europäischen Physikalischen Gesellschaft. Von 2008 bis 2012 war er Präsident der International Astronautical Federation. Er hat ca. 190 Artikel in Fachzeitschriften und 15 Bücher veröffentlicht und hält 7 Patente. Ein Asteroid (10628 Feuerbacher) wurde nach ihm benannt. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

Dipl. Ing. Gunther Lautenschläger
Dipl. Ing. Gunther Lautenschläger
Dr. Norbert Pailer
Dr. Norbert Pailer
Prof. Dr. rer. nat. Berndt Feuerbacher
Prof. Dr. rer. nat. Berndt Feuerbacher

Über 1.000 Mitglieder

Unterstützen auch Sie die Weiterentwicklung des Museums!

 

Freundes- und Förderkreis Dornier Museum
für Luft- und Raumfahrt e. V.
Claude-Dornier-Platz 1
88046 Friedrichshafen

Tel.: 07541 487 36 720
Fax: 07541 487 36 721
info@freundeskreis-dornier.de

© 2017 Freundes- und Förderkreis Dornier Museum für Luft- und Raumfahrt e. V. All Rights Reserved. Designed By JoomShaper

Please publish modules in offcanvas position.